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Mein Alltag mit Corona: Heike Lange (TK)

„Weniger Rücken-OPs in Corona-Zeiten sind eine gute Nachricht“

Wie erleben die Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter die Pandemie? Welche Schlüsse ziehen sie für ihre Arbeit in den Sozialparlamenten der Rentenversicherung und der Krankenkassen? Heike Lange ist Mitglied im Verwaltungsrat der TK und Vorsitzende des Sozialpolitischen Ausschusses. Ihre Krankenkasse hat analysiert, wie sich Corona auf die Operationspraxis in den deutschen Krankenhäusern auswirkt.

Frau Lange, als die Pandemie begann, wurde in Deutschland dazu aufgerufen, nicht unbedingt notwendige Operationen zeitweilig aufzuschieben, um eine Überlastung der Krankenhäuser zu vermeiden. Was heißt das für die Versicherten?

Es liegt im Interesse von jedem von uns, dass das Gesundheitswesen seine Kapazitäten auf die vordringliche Aufgabe konzentrieren kann, die Ausbreitung von Corona zu bremsen und die Betroffenen so gut wie möglich zu behandeln. Ich rede natürlich nicht von Fällen, in denen eine schnelle operative Behandlung ärztlich geboten ist. Wer etwa eine Herz-OP benötigt, aber den Termin hinausschiebt, weil er unter den gegenwärtigen Umständen auf keinen Fall ins Krankenhaus will, der riskiert seine Gesundheit, ja vielleicht sogar sein Leben.

Es gibt aber auch Operationen, bei denen auch aus medizinischer Sicht weniger klar ist, ob sie zwingend notwendig sind oder nicht – bestimmte Rückenoperationen zum Beispiel. Wie stehen dort die Dinge?

Genau diese Frage hat die TK analysiert. Nach unseren Daten hat sich in der Zeit des ersten Corona-Lockdowns zwischen Mitte März und Mitte April vergangenen Jahres die Zahl der Rückenoperationen im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum halbiert. Anschließend gab es zwar Nachholeffekte, doch unter dem Strich blieb im ersten Halbjahr 2020 ein Minus von zwölf Prozent. Daran zeigt sich, dass es offenbar keinen dringenden medizinischen Bedarf gab, diese Operationen nachzuholen, sobald in den OP-Sälen schnell wieder ein weitgehend normaler Betrieb herrschte.

Wird denn in Deutschland üblicherweise zu viel an der Wirbelsäule operiert?

Das zeigen uns die Daten aus dem Zweitmeinungsverfahren der TK. In neun von zehn Fällen raten die begutachtenden Schmerzzentren von einer Operation ab und empfehlen eine konservative Behandlung - beispielsweise mit Physiotherapie. 80 Prozent der Betroffenen kommen dauerhaft ohne Operation aus.

Die Zahlen aus dem vergangenen Frühjahr sind ein weiterer Beleg dafür, dass bei einem Teil der Patienten die Beschwerden auch ohne Einsatz des Skalpells zurückgehen. Grundsätzlich ist es zu empfehlen, die Entscheidung für einen operativen Eingriff gründlich abzuwägen und kritisch zu hinterfragen. Es gibt zwar Fälle, bei denen auch der Einsatz des Skalpells erforderlich ist. Aber in sehr vielen Fällen gibt es bessere Alternativen mit geringeren Risiken. Eine ärztliche Zweitmeinung wie im Zweitmeinungs-Angebot der TK hilft bei einer informierten Entscheidung.