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Viele junge Menschen finden keinen Schlaf

13.05.2022

Unser Lebensumfeld verändert sich immer schneller, die psychischen Belastungen wachsen, und das hat Folgen für unsere Gesundheit: Frauen und Männer aller Altersgruppen leiden immer häufiger unter Schlafstörungen, wie eine Untersuchung der KKH Kaufmännischen Krankenkasse zeigt. Eine Datenerhebung unter KKH-Versicherten führt zu dem Schluss, dass – hochgerechnet auf ganz Deutschland – rund 6,3 Millionen Menschen betroffen sind.

Besonders stark ist der Trend bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgeprägt. Die Zahl der 19- bis 29-Jährigen mit ärztlich diagnostizierten, nicht organisch bedingten Schlafstörungen stieg von 2010 bis 2020 um etwa 70 Prozent, bei den jungen Männern sogar um mehr als 80 Prozent. In keiner anderen Altersgruppe war ein so drastischer Anstieg zu beobachten.

„Schlafstörungen sind ein Warnsignal, selbst dann, wenn sie nur vorübergehend auftreten“, sagt Silke Reinhold, ehrenamtliche Versichertenvertreterin im Verwaltungsrat der KKH. „Ärzte weisen uns darauf hin, dass ein dauerhaft gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus nicht nur die Psyche belastet. Er wirkt sich auch auf Magen und Darm aus und erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf- sowie Stoffwechsel-Erkrankungen und Diabetes.“

Häufigster Auslöser der Schlafprobleme ist Stress im Job, wie eine forsa-Umfrage im Auftrag der KKH ausweist: Mobbing, mangelnde Anerkennung oder Existenzangst, etwa durch Kurzarbeit oder befristete Arbeitsverträge. „Vor allem die jüngeren Jahrgänge stecken in einer besonders komplexen Phase des Berufslebens, in der viele Weichen gestellt werden, und der Erfolgsdruck ist groß“, erklärt Silke Reinhold. „Wenn sie dann auch in der Nacht noch zum Mobiltelefon oder Tablet greifen, finden sie erst recht keine Ruhe, und ihre Schlafprobleme wachsen noch.“

Bei anhaltenden Schlafstörungen sollten Betroffene auf jeden Fall eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren. Schon vorher könnten sie aber selbst etwas tun: „Weniger Alkohol und Koffein. Bewegung an der frischen Luft. Mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen sollten Fernseher und Telefon ausgeschaltet werden: Das sind einfache Regeln, die vielen helfen können“, rät die Versichertenvertreterin. „Darüber hinaus haben wir im Verwaltungsrat der KKH auch verschiedene Leistungen für die Versicherten beschlossen, mit denen die Stressbewältigung verbessert werden kann. So übernimmt die Kasse für unsere Versicherten einen großen Anteil der Kurskosten für Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung. Sie können auch kostenfrei den Online-Stress- & SchlafCoach nutzen, um mehr Gelassenheit in Beruf und Alltag zu erlangen.“

Schlafstörungen seien nicht die einzigen psychischen Belastungen, denen Jugendliche und junge Erwachsene in besonderer Weise ausgesetzt sind, merkt die Selbstverwalterin an. Eine weitere KKH-Datenanalyse, bei der ebenfalls die Entwicklung seit 2010 nachverfolgt wurde, habe auch eine deutliche Zunahme von verschiedenen Angsterkrankungen nachgewiesen. Unter den 18- bis 24-Jährigen betrug die Steigerung 51 Prozent, unter den Zwölf- bis 17-Jährigen sogar 82 Prozent.  Die Patientinnen und Patienten leiden unter ständigen, unkontrollierbaren Sorgen vor Unglücken wie einem Unfall oder einer schweren Krankheit, häufig ziehen sie sich aus Furcht vor Panik- und Angstattacken aus dem sozialen Leben zurück.

„In der Corona-Zeit mit ihren Lockdowns, eingeschränkten Sozialkontakten und der Ungewissheit, wann das gewohnte Leben wieder beginnt, haben sich die ohnehin vorhandenen Probleme noch verschärft“, sagt Silke Reinhold. „Wichtig ist, dass wir die jungen Menschen ermutigen, sich zu öffnen und professionelle Hilfe zu suchen. Angsterkrankungen sind heute gut behandelbar, ob mit psychotherapeutischen Maßnahmen oder auch medikamentös. Als Fürsprecher unserer Versicherten setzen wir uns dafür ein, dass auch unsere Krankenkasse den Betroffenen jede mögliche Hilfe gibt.“