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Mein Alltag mit Corona: Thomas Kruck-Paulussen (BARMER)

„Wir sind jederzeit handlungsfähig“

Wie erleben die Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter die Pandemie? Wie können die Sozialparlamente der Rentenversicherung und der Krankenkassen unter Corona-Bedingungen ihre Aufgaben erfüllen? Thomas Kruck-Paulussen ist einer von drei Arbeitgebervertretern im 30-köpfigen Verwaltungsrat der BARMER. Als Vorsitzender des Finanzausschusses der Ersatzkasse hat er besonders im Blick, welche Leistungen die Versicherten in diesen Tagen in Anspruch nehmen – und welche nicht.

Herr Kruck-Paulussen, Sie sind ehrenamtlicher Selbstverwalter bei der BARMER, aber Sie leiten auch eine Abteilung in der Zentrale der Deutschen Post DHL Group. Womit beschäftigen Sie sich dort in diesen Corona-Zeiten?

Ich bin zuständig für alle Beamten im Konzern und für bestimmte Zahlungsverpflichtungen des Unternehmens. Ich kümmere mich um die Zahlung der Krankenbeihilfen, um die Rückstellungen für die Pensionen, um die Finanzierung der Postbeamtenkrankenkasse, um Sozialeinrichtungen wie das Erholungswerk und das Betreuungswerk – alles Einrichtungen, die die Deutsche Post noch aus ihrer Zeit als Bundespost weiterführt. Da erlebe ich, wenn Sie so wollen, „Business as usual“. Daneben berate ich aber auch den Personalvorstand und den Vorstandsvorsitzenden, und da geht es jetzt häufig um Corona-Themen, zum Beispiel um Sonderurlaub für die Betreuung von Kindern oder darum, ob und wie man jetzt Beamte einsetzen kann an Stellen, an denen sie besonders gebraucht werden.

Welche Vorkehrungen wurden bei Ihnen im Unternehmen im Zusammenhang mit Corona getroffen?

Wir müssen natürlich sicherstellen, dass wir die Post weiter zustellen können, aber der Schutz der Beschäftigten ist uns genauso wichtig. In diesen Corona-Zeiten haben wir so viel Post zu befördern wie sonst nur im Weihnachtsgeschäft, vor allem im Paketbereich. Dafür müssen wir viel Personal vorhalten, aber zugleich müssen wir alles nur irgend Mögliche dafür tun, dass sich niemand infiziert. Das ist gerade in den großen Paketzentren eine echte Herausforderung. In der Zentrale in Bonn achten wir sehr darauf, die Abstandsregeln einzuhalten. Mehr als eine Person gleichzeitig arbeitet bei uns nur in den ganz großen Büroräumen. Auch die Kantine ist geschlossen. Wir können nur online Essen bestellen und dann am Eingang abholen – mit Mundschutz, versteht sich.

Und wie viel spüren Sie als Selbstverwalter von der Pandemie?

Die Corona-Pandemie hat natürlich große Auswirkungen auf die Arbeitsabläufe der Selbstverwalter. Der überwiegende Teil unserer Diskussionen und Abstimmungen erfolgt derzeit in Telefon- oder Videokonferenzen. Beschlüsse können schriftlich ohne Sitzung gefasst werden. Das alles klappt sehr gut und hat sich gut eingespielt, schließlich müssen derzeit auch oft dringende Beschlüsse schnell gefasst werden. Wir sind jederzeit handlungsfähig.

Als Vorsitzender des Finanzausschusses beim BARMER-Verwaltungsrat beobachte ich natürlich mit Sorge die Corona-bedingte Ausgabe- und Einnahmenentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung. Seriöse Angaben hierzu sind zwar derzeit noch nicht möglich. Dennoch bedeuten weitreichende Schutzschirme für Leistungserbringer wie Krankenhäuser, niedergelassene Ärzte und Pflegeeinrichtungen erhebliche Mehrausgaben. Gleichzeitig ist durch entsprechende Regelungen zu Beitragsreduzierungen und Beitragsstundungen für in wirtschaftliche Not geratene Selbstständige und Betriebe auch ein Rückgang der Einnahmen zu erwarten. Unabhängig davon möchte ich aber auch betonen, dass die BARMER alles dafür tut, um insbesondere Krankenhäusern schnell und unbürokratisch zu helfen, damit die Versorgung von Schwerkranken in dieser Krisenzeit optimal erfolgen kann.