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Mein Alltag mit Corona: Silke Reinhold

„Kinderkrankengeld gibt es durchaus auch für Väter!“

Wie erleben die Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter die Pandemie? Mit welchen Themen beschäftigen sich die Sozialparlamente der Rentenversicherung und der Krankenkassen in diesen Corona-Zeiten? Silke Reinhold ist seit 2017 ehrenamtliche Versichertenvertreterin im Sozialparlament der KKH. Sie ist der Frage nachgegangen, welche Rolle nicht nur die Mütter, sondern auch die Väter spielen, wenn ein krankes Kind zu Hause betreut werden muss.

Frau Reinhold, Eltern mit kranken Kindern können unter den aktuellen Corona-Bedingungen 30 statt 20 Tage lang Kinderkrankengeld beziehen. Was sagen Sie als Versichertenvertreterin dazu?

Ich finde es richtig, denn für die Betroffenen ist es eine wichtige Erleichterung in diesen schwierigen Zeiten. Wenn wir wollen, dass zur Corona-Prävention Kinder genau wie Erwachsene schon beim leisen Verdacht auf eine Erkältung zu Hause bleiben, damit sie niemanden anstecken, dann müssen wir auch die Bedingungen dafür schaffen. Das passiert nicht zuletzt dadurch, dass wir als Krankenkasse länger das Kinderkrankengeld zahlen. Das unterstütze ich ausdrücklich. Unter welchem Druck eine Familie steht, wenn zumindest ein Elternteil nicht zur Arbeit gehen kann, weil ein Kind krank ist oder weil es wegen einer Quarantäne nicht zur Schule oder zur Kita gehen kann, das habe ich als Großmutter gerade wieder aus der Nähe miterlebt. Meine Tochter arbeitet bei der Sparkasse, in einem „systemrelevanten Beruf“, wie das so schön heißt, und durfte auch während des ersten Lockdowns ins Büro. Als die Kita schloss, stellte sich die Frage, wer sich um die Kinder kümmern konnte. Das hat dann der Vater gemacht, der in dieser Zeit nicht zur Arbeit gehen konnte. Wenn Sie so wollen, war das Glück im Unglück.

Dass die Väter und nicht immer nur die Mütter die Kinder betreuen, ist noch lange nicht die Norm in Deutschland. Ihre Krankenkasse, die KKH, hat dazu gerade eine Untersuchung vorgelegt. Sie zeigt, dass es im ersten Halbjahr 2020 nur in 23 Prozent der Fälle die Väter waren, die Kinderkrankengeld in Anspruch nahmen, in 77 Prozent dagegen waren es die Mütter.

Das sind wirklich traurige Zahlen, und sie haben ganz viel damit zu tun, dass Frauen in unserem Land im Durchschnitt deutlich weniger verdienen als Männer. Aber immerhin zeichnet sich ein Wandel ab. Noch 2009 entfielen nur neun Prozent der Kinderkrankengeld-Anträge auf die Väter und 91 Prozent auf die Mütter. Wenn ich mir diese Entwicklung ansehe, würde ich sagen: Die heutigen 23 Prozent für die Väter sind noch lange nicht gut, aber zumindest nicht mehr ganz so schlecht wie damals. Allmählich spricht es sich herum, dass nicht nur Mütter, sondern durchaus auch Väter Anspruch auf Kinderkrankengeld haben! Es ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass die Frauen jedes Mal ihren Beruf beiseiteschieben, sobald ein Kind krank wird. Väter sind heute nach der Geburt eines Kindes ganz allgemein stärker integriert in alles, was die Betreuung des Nachwuchses angeht. Viele nehmen Erziehungszeit in Anspruch oder machen eine Auszeit im Beruf. Ich glaube, das bindet sie auch mehr an die Kinder – und nicht nur, wenn das Kind gesund ist und wenn es Spaß macht, sondern auch dann, wenn es mal nicht so viel Spaß macht. Der Trend geht also in die richtige Richtung. Haben Sie übrigens gesehen, dass die Zahlen in den neuen Bundesländern deutlich anders sind als in den alten? In Sachsen sind die Väter beim Kinderkrankengeld der Krankenkasse schon mit 29 Prozent vertreten, in NRW und im Saarland dagegen nur mit 18 Prozent!

Wie erklären Sie sich das?

Es muss wohl etwas mit der unterschiedlichen Geschichte in Ost und West zu tun haben. Die jungen Eltern im Osten heute haben zwar die DDR gar nicht mehr bewusst miterlebt, aber die älteren Prägungen durch die Generation der heutigen Großeltern wirken noch nach. Die Verhältnisse waren einfach anders, im Osten waren mehr Frauen berufstätig als im Westen, das hatte Folgen für die Kindererziehung und für bestimmte Rollenmuster in den Familien.