Skip to main content

Mein Alltag mit Corona: Michael Witte (KKH)

„Kindererziehung wird für viele Väter zum Stressfaktor Nummer eins“

Wie erleben die Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter die Pandemie? Wie können die Sozialparlamente der Rentenversicherung und der Krankenkassen unter Corona-Bedingungen ihre Aufgaben erfüllen? Michael Witte, leitender Bankangestellter in Paderborn und Mitglied des Verwaltungsrates der KKH, hat sich angesehen, welche Spuren Corona in den Familien hinterlässt. Besonders für die Väter ist die Umstellung groß, sagt er.

 

Herr Witte, die Pandemie hat tief in unseren Alltag eingegriffen. Homeoffice und gleichzeitig Homeschooling für die Kinder: Vor allem viele Eltern fühlen sich gestresst. Ist das ein Thema für Sie als Versichertenvertreter?

Unbedingt, denn dauerhafter Stress macht Menschen krank. Das kann von Kopf- und Rückenschmerzen über Verdauungsstörungen bis hin zum Herzinfarkt gehen, wie die Ärzte warnen. Als Versichertenvertreter im Sozialparlament frage ich mich deshalb: Was kann meine Krankenkasse tun, um Stress zu lindern oder wenigstens die Bewältigung von Stresssituationen zu erleichtern – auch und gerade in Corona-Zeiten? Wir als KKH haben eine Umfrage in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie Mütter und Väter mit den neuen Bedingungen fertigwerden. Die Ergebnisse bestätigen, was ich schon leise vermutet hatte: Es sind vor allem die Männer, die jetzt damit zu kämpfen haben, dass die Kinder zu Hause statt in der Schule oder der Kita sind.

Diverse andere Studien belegen aber, dass in den meisten Familien vor allem die Frauen durch Job, Haushalt und Kindererziehung doppelt und dreifach belastet sind!

Das ist gar kein Widerspruch. Auch in unserer Untersuchung sagten 44 Prozent der Frauen, aber nur 32 Prozent der Männer, dass sie aktuell sehr häufig bis häufig unter Stress stehen. Noch viel größer wird der Unterschied, wenn man den Stressfaktor Haushalt herausgreift: 35 Prozent der Frauen, aber nur 15 Prozent der Männer erleben das Putzen, Kochen, Einkaufen als Stress. Wohl auch deshalb, weil sich so mancher Mann gern vor dieser Arbeit drückt, wie wir alle wissen.

Ein bisschen anders ist es mit der Rolle als Vater. Vater zu sein ist ja etwas Wunderbares, aber unter den Bedingungen des Homeoffice plötzlich Vollzeitpapa zu sein wie sonst nur im Urlaub und an den Wochenenden: Das sind viele Männer nicht gewohnt. Sie sind nicht darauf vorbereitet, Lehrer, Erzieher und Unterhalter zu sein. So ist der Anteil der Väter, die die Versorgung des Nachwuchses als Stress empfinden, seit November von 33 auf 42 Prozent gestiegen, wie unsere Umfrage ergeben hat. Das ist immer noch weniger als bei den Müttern, von ihnen klagen 49 statt vorher 47 Prozent über Erziehungsstress, aber trotzdem: Dass für die Väter inzwischen die Kindererziehung Stressfaktor Nummer eins ist, noch vor dem Job – diese Veränderung ist wirklich bemerkenswert.

Wie steht es eigentlich bei Ihnen selbst mit dem Corona-Stress?

Meine Tochter und mein Sohn sind schon erwachsen, Kindererziehung scheidet also als Stressfaktor für mich aus. Anders sieht es im Beruf aus, da könnte ich wegen der Herausforderungen durch Corona momentan täglich zwei Schichten arbeiten, um alles zu schaffen. Wichtig ist doch aber vor allem, dass man sich vom Stress nicht auffressen lässt. Für mich persönlich ist der Sport ganz wichtig, um den Druck abzubauen. Gerade zur Bewältigung von Stress bieten übrigens auch die Krankenkassen eine Menge Unterstützung an. Wir als KKH beteiligen uns zum Beispiel finanziell, wenn unsere Versicherten an Programmen für autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Tai-Chi, Quigong oder Hatha-Yoga teilnehmen. Ich hoffe sehr, dass die wegen Corona eingeführten Beschränkungen für Fitness und Freizeitsport bald wieder aufgehoben werden können.