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Mein Alltag mit Corona: Horst Zöller

„Homeoffice wird überwiegend als Entlastung wahrgenommen“

Wie erleben die Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter die Pandemie? Welche Schlüsse ziehen sie für ihre Arbeit in den Sozialparlamenten der Rentenversicherung und der Krankenkassen? Horst Zöller ist Mitglied im Verwaltungsrat der DAK-Gesundheit. Seine Kasse hat gerade eine ausführliche Studie zu Digitalisierung und Homeoffice in Corona-Zeiten vorgelegt – mit durchaus überraschenden Erkenntnissen.

Herr Zöller, wir haben in den letzten Monaten viel über die Belastungen durch die Pandemie gesprochen. Gibt es im Alltag eigentlich auch Veränderungen, die als Entlastungen empfunden werden?

Die gibt es sogar in weit größerem Maße, als wir es vermutet hatten. Unsere Krankenkasse hat dazu gerade eine Studie erstellt. Wir haben Arbeitnehmer gefragt, wie sie mit dem Homeoffice in der Corona-Krise zurechtkommen. Jeder zweite erklärte, er empfinde die Arbeit mit Laptop, Smartphone und Videokonferenzen als positiv. Arbeitnehmer, die wegen der Pandemie zum ersten Mal regelmäßig im Homeoffice sitzen, zeigen eine hohe Arbeitszufriedenheit und loben die gute Work-Life-Balance. Drei Viertel von ihnen möchten auch nach Corona zumindest teilweise von zu Hause aus arbeiten.

In der Vergangenheit war aber auch festzustellen, dass viele Menschen die zunehmende Digitalisierung ihres Berufsalltags als Stress wahrnehmen.

Das ist unbestritten, und es wäre grundverkehrt, alle über einen Kamm zu scheren. Aber die Entwicklung zeigt tatsächlich in die andere Richtung. Es war eine glückliche Fügung, dass unsere Kasse im vergangenen Dezember – also unmittelbar vor dem Beginn der Pandemie – gerade erst eine ähnliche Befragung durchgeführt hatte, in der es um Digitalisierung ging. Kurz darauf haben wir dann unter den Bedingungen von Corona, Lockdown und Homeoffice dieselben Personen noch einmal befragt. In dieser knappen Zeit wuchs der Anteil derjenigen, die die Digitalisierung als Entlastung wahrnehmen, von rund einem Drittel auf jetzt etwa die Hälfte. Die Gruppe derjenigen, die in der Digitalisierung eine Belastung sehen, schrumpfte hingegen um 80 Prozent. Das tägliche Stresserleben der Befragten ging um 29 Prozent zurück. Das sind enorme Veränderungen.

Wird Corona also einen dauerhaften Durchbruch für das Homeoffice bringen?

Das ist sehr gut denkbar. Arbeitnehmer schätzen am Homeoffice laut unserer Studie besonders den Zeitgewinn, weil der Weg zur Arbeit wegfällt. Sie können ihre Arbeit besser über den Tag verteilen und dadurch Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren. Eine klare Mehrheit sagt zudem, sie arbeite im Homeoffice eher produktiver als am normalen Arbeitsplatz. Auch auf Seiten der Arbeitgeber ändern sich gerade die Einstellungen. Vor der Pandemie legten drei Viertel der Chefs großen Wert auf Anwesenheit im Betrieb. Jetzt hat sich innerhalb kürzester Zeit der Anteil der Beschäftigten, die von ihren Vorgesetzten ins Homeoffice geschickt wurden, nahezu verdreifacht – von vormals zehn auf 28 Prozent. Da ist richtig etwas in Bewegung gekommen.

Bei alledem dürfen wir die negativen Aspekte des Homeoffice aber nicht übersehen. Vor allem jungen Mitarbeitern fällt es häufig schwer, eine Grenze zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen. Eine klare Trennung gelingt nur jedem Zweiten unter 30 Jahren. Umso mehr kommt es darauf an, wirklich nachhaltige Homeoffice-Konzepte zu erarbeiten. Wir als Krankenkasse bauen deshalb gerade unsere Angebote in dieser Richtung aus: Wir halten für die Firmen Online-Workshops und -Schulungen für ihre Mitarbeiter bereit, die gesundes Arbeiten im Homeoffice unterstützen. Als Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements stehen sie allen interessierten Arbeitgebern und Arbeitnehmern offen.