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Mein Alltag mit Corona: Beanka Ganser (BARMER)

„Unsere Versicherten sollen keine Nachteile erleiden“

Wie erleben die Selbstverwalterinnen und Selbstverwalter die Pandemie? Wie können die Sozialparlamente der Rentenversicherung und der Krankenkassen unter Corona-Bedingungen ihre Aufgaben erfüllen? Beanka Ganser leitet bei der BARMER den Widerspruchsausschuss VII in Wuppertal. Sie berichtet, mit welchen neuen Fragen sich ihr Gremium in diesen Tagen beschäftigt

 

Frau Ganser, Sie sind Vorsitzende eines Widerspruchsausschusses und überprüfen dort Fälle, in denen Versicherte mit den Verwaltungsentscheidungen Ihrer Kasse nicht einverstanden sind. Haben sie auch schon Corona-Fälle bearbeitet?

Ja, nach und nach kommen die ersten Fälle auf unseren Tisch. Vor Kurzem hatten wir zum Beispiel über einen Widerspruch zu entscheiden, bei dem es ums Krankengeld ging. Einer Versicherten war für mehrere Tage kein Krankengeld ausbezahlt worden, weil sie keine lückenlose Krankschreibung vorweisen konnte. So sind nun einmal die Regeln. Die Versicherte hat aber Widerspruch eingelegt, was ihr gutes Recht ist, und sie hat uns erklärt, wie alles kam: Wegen Corona konnte sie nämlich nicht selbst in die Praxis gehen, um ihre Krankschreibung zu verlängern, und auch telefonisch war für sie kein Durchkommen. Wir prüfen sorgfältig jeden einzelnen Fall auf Plausibilität – dies ist eine Voraussetzung, um gegebenenfalls abhelfen zu können. Als Ehrenamtliche in den Widerspruchsausschüssen machen wir auch in Corona-Zeiten unsere Arbeit, damit die Versicherten im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten keine Nachteile erleiden.

Wie arbeitet Ihr Ausschuss eigentlich unter Pandemie-Bedingungen?

Wir tauschen uns im Widerspruchsausschuss während der Pandemie telefonisch aus. Unsere Entscheidungen treffen wir im Anschluss mittels schriftlicher Abstimmung. Bei der BARMER haben wir vor anderthalb Jahren beschlossen, die Arbeit der Widerspruchsausschüsse komplett zu digitalisieren. Die Widerspruchsfälle können wir digital über eine sichere IT-Lösung abrufen. Wir sind schneller: Postwege entfallen, wir können uns untereinander digital austauschen und Fragen klären. Das war eine goldrichtige Entscheidung, wie wir jetzt sehen. Trotz aller Kontaktbeschränkungen habe ich als Vorsitzende keine einzige Sitzung absagen müssen. Auch wenn es manchmal schwerfällt: mit den Verhaltensregeln nehme ich es persönlich sehr genau. Auch ich bin in Sorge um Menschen in meinem Freundeskreis oder in meiner Nachbarschaft, die zu den Risikogruppen zählen. Ich habe Freunde, die mehrere Wochen lang in häuslicher Quarantäne waren. Ein guter Bekannter von mir ist an Corona gestorben, er war kaum älter als ich. Das prägt mein Verhalten: Abstand halten, Maske tragen, Händewaschen.

Die Pandemie ist noch lange nicht überstanden. Lassen sich trotzdem heute schon Lehren aus Corona ziehen?

Corona zeigt uns, wie wichtig die gesetzliche Krankenversicherung auch und gerade in Krisenzeiten ist, um eine hochwertige medizinische Versorgung für alle Menschen sicherzustellen. Jetzt kommt es darauf an, dass die enormen finanziellen Belastungen nicht überwiegend von den Beitragszahlerinnen und -zahlern getragen werden. Die Corona-Gefahrenabwehr stellt schließlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar. Die Finanzierung der Mehrausgaben muss über einen politisch bereits diskutierten Bundeszuschuss erfolgen.