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Helfer in der Nachbarschaft

Selbstverwalter Günter Ploß

Wovon lebe ich, wenn ich nicht mehr arbeiten kann? Dieser Gedanke bewegt früher oder später jeden Menschen. Wann ist es genug mit dem Berufsleben? Von wann an steht die Solidargemeinschaft für mich ein? Was muss ich dafür tun? Welche Unterlagen muss ich einbringen, welche Anträge stellen? Und: Wer hilft mir dabei?

Zumindest die letzte Frage lässt sich sehr schnell beantworten: Die Versichertenberaterinnen und Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund helfen – überall in Deutschland, kostenlos und mit hoher Sachkunde. Rund 2.600 sind es bundesweit. „Jedes Jahr unterstützen wir mehr als eine Million Menschen beim Ausfüllen ihrer Anträge“, sagt Günter Ploß. Der frühere Gewerkschaftssekretär aus Hamburg wirkt in der Vertreterversammlung der Rentenversicherung mit, dem gewählten Rentenparlament also. Diese Sozialparlamentarier bilden zusammen mit den Versichertenberaterinnen und Versichertenberatern und den Mitgliedern der verschiedenen Ausschüsse die Soziale Selbstverwaltung in der Rentenversicherung.

Rentenberatung – individuell, fachkundig und kostenlos

Sie alle arbeiten ehrenamtlich. Menschen wie Kathlen Brauckhoff aus Erfurt zum Beispiel: Die meiste Zeit arbeitet die Mittdreißigerin von zu Hause aus, bei Bedarf kommt sie aber auch schon mal persönlich zur Beratung vorbei. „In schwierigen Fällen kann so eine Beratung schon mal zwei Stunden dauern“, berichtet sie.

Brauckhoff fand 2011 zur Selbstverwaltung. Als Versichertenberaterin gibt sie Ratschläge zu allgemeinen Fragen der Rente, hilft bei Rentenanträgen und bei Kontoklärungen, also bei der lückenlosen Auflistung des Versicherungsverlaufs. „Hilfe ist wichtig“, findet sie. Die Beratung ende erst dann, „wenn alles stimmig und in der Tüte ist“.

Die meisten beschäftigen sich leider erst mit der Rente, wenn es soweit ist.
Dieter Mügge

Fast ebenso lange wie sie ist Dieter Mügge mit dabei. „Der erste Tag meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Selbstverwalter war der 23. Dezember 2013“, erzählt er. „Die erste Terminanfrage lag dann schon unterm Weihnachtsbaum.“ Bis zu 30 Versicherte berät er seither im Monat – bei sich zu Hause in Berlin-Britz, bei Hausbesuchen für jene, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Wohnung nicht verlassen können, oder regelmäßig auf Sprechtagen. Das kostet die Versicherten nichts, selbst dann nicht, wenn der Berater in einem komplizierten Fall mehrfach kommen muss, bis der Antrag fertig ist.

Kein Erwerbsleben verlaufe wie das andere. „Die Versicherten, die zu uns kommen, haben viele Fragen. Sie brauchen Ruhe und müssen erstmal reden“, sagt Mügge. „Wie lange muss ich arbeiten? Kann ich vielleicht schon früher in Rente gehen? Die meisten beschäftigen sich leider erst mit der Rente, wenn es soweit ist. Aber dann bin ich für sie da.“

Die Beratung beschränkt sich nicht allein auf die gesetzliche Altersrente. Auch für Erwerbsminderungsrenten – zum Beispiel nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung – ist die Deutsche Rentenversicherung Bund zuständig, für Witwen- und Witwerrenten und für Waisenrenten. Und für Rehabilitationsleistungen zur Wiederherstellung oder zur Erhaltung der Arbeitskraft. In jedem Fall finden die Versicherten bei den Beratern fachkundige Hilfe. Und sollte ein Antrag abgelehnt werden, können sie immer noch die Widerspruchsausschüsse der Rentenversicherung anrufen. Ebenfalls ohne Kosten für die Versicherten und Rentner.

Lobbyisten für die Interessen der Versicherten

Dieser tägliche Kontakt verschafft den Versichertenberatern einen guten Einblick in die Wünsche und Sorgen, die die Menschen in ihrer Nachbarschaft umtreiben. Sie bringen diese Fragen ein in die Selbstverwaltung. So finden die Interessen der Versicherten ihren Niederschlag in den Entscheidungen des Sozialparlaments der Rentenversicherung, der Vertreterversammlung.

Die aktuelle Amtszeit der Versichertenberater währt bis 2023. Dann wird turnusmäßig die neue Vertreterversammlung der Rentenversicherung gewählt, und sie wählt dann die Versichertenberater für die kommenden sechs Jahre. Unterstützung kommt von den Mitarbeitern im Büro der Selbstverwaltung, die die Versichertenberater mit aktuellen Materialien versorgen und regelmäßige Schulungen veranstalten. Damit die Ehrenamtlichen garantiert auf dem neuesten Stand sind, wenn die Versicherten zu ihnen kommen.