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Digitalisierungsprojekte der Ersatzkassen

Die Digitalisierung eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Gesundheitsversorgung. Die Entscheidung darüber, welche Angebote die Ersatzkassen ihren Versicherten unterbreiten, liegt bei der Sozialen Selbstverwaltung. Wir stellen an dieser Stelle ausgewählte Projekte vor.

Arztbesuch per Video-Sprechstunde

Immer mehr Patienten befürworten ärztliche Video-Sprechstunden, und eine wachsende Zahl von Ärzten und Patienten nutzt diesen digitalen Kommunikationsweg auch ganz konkret. Eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts zeigt, dass die allgemeine Akzeptanz von Online-Sprechstunden von 35 Prozent im Dezember 2019 auf 50 Prozent in der Jahresmitte 2020 angestiegen ist. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ist auch die Zahl der Arztpraxen mit Videobehandlung von 1.700 im Februar auf 25.000 im April 2020 rasant angestiegen. Gerry Kley, Versichertenvertreter aus dem Sozialparlament der TK, erläutert, worum es geht.

Wer kann die Videosprechstunde in Anspruch nehmen?

Die Video-Sprechstunde ist eine normale kassenärztliche Leistung, die jeder nutzen kann – vorausgesetzt, der Arzt bietet diese Möglichkeit an. Wichtig ist: Der Arzt muss entscheiden, ob Diagnose, Behandlung oder Kontrolle im konkreten Fall per Video möglich ist. Nur in Brandenburg sperrt sich die Ärztekammer immer noch gegen eine Fernbehandlung ohne vorherigen Praxisbesuch. Dabei kann die Videotechnik gerade in einem Bundesland mit einer so geringen Bevölkerungsdichte wie in Brandenburg Probleme lösen.

Was sind die Vorteile?

Bei vielen Behandlungen ist ein Praxisbesuch entbehrlich. Ohne lange Wartezeiten, Anfahrtswege und die Gefahr einer Ansteckung kann der Arzt per Video dem Patienten helfen. Dabei profitiert der Arzt ebenfalls. Patienten mit eingeschränkter Mobilität kann er beispielsweise ohne Hausbesuch erreichen. Und die geringere Ansteckungsgefahr schützt auch jenseits von Corona das gesamte Praxisteam.

Wie funktioniert die Video-Sprechstunde?

Es ist ganz einfach. Patient und Arzt brauchen lediglich ein Smartphone oder einen Computer mit Kamera und Mikrofon. Der Arzt arbeitet mit einem zertifizierten Videodienstanbieter zusammen, über den sich beide zum zuvor vereinbarten Gespräch einwählen. Meist vereinbart die Praxis mit dem Patienten zuvor einen Termin – einige Praxen sind aber auch spontan erreichbar.

Was ist mit dem Datenschutz?

Ärzte, die Video-Sprechstunden anbieten, müssen strenge Datenschutz-Vorgaben erfüllen. Die Verbindung muss verschlüsselt sein, und Inhalte dürfen vom Videodienstanbieter weder eingesehen noch gespeichert werden. Dafür bürgt die Zertifizierung. Außerdem muss der Patient vor der ersten Video-Sprechstunde seine Einwilligung geben.

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Das elektronische Rezept (E-Rezept)

Schluss mit der Zettelwirtschaft

Denn im Jahr 2021 soll in Deutschland flächendeckend das elektronische Rezept (E-Rezept) eingeführt werden. Von 2022 an soll es verpflichtender Standard sein. Das Ziel: Die Versorgung mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln soll schneller, sicherer und bequemer werden. Profitieren können alle: die Patienten genauso wie die Ärzte und die Apotheken.

„Das E-Rezept ist ein wichtiger Schritt zur Digitalisierung unseres Gesundheitswesens. Es kann den Alltag der Versicherten sehr erleichtern. Wer beispielsweise ein Folgerezept benötigt, muss dafür nicht mehr zum Arzt gehen, denn die Verordnung kommt dann direkt auf das eigene Smartphone. Das spart Wege und Zeit“, sagtHelmut Fitzke, ehrenamtlicher Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat der TK und alternierender Vorsitzender des Sozialpolitischen Ausschusses. Die TK hatte bereits im Frühjahr 2019 in Hamburg ein Pilotprojekt zur Erprobung des E-Rezepts gestartet. Mit der HEK und der BARMER schlossen sich weitere Ersatzkassen dem Projekt an.

Die Corona-Krise hat die Vorteile des papierlosen Rezepts besonders deutlich hervortreten lassen. „Das E-Rezept hilft, die Zahl der persönlichen Kontakte zu reduzieren, und es bedeutet für alle Beteiligten einen erheblich verringerten Aufwand“, sagt Jürgen Schuder, stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrates der HEK. „Corona führt uns allen vor Augen, dass es sich für alle Seiten lohnt, die Digitalisierung zügig weiter voranzutreiben.“

Das im Pilotprojekt getestete und natürlich auch auf Datensicherheit überprüfte E-Rezept funktioniert folgendermaßen: Hat der Versicherte zuvor die entsprechende App heruntergeladen, sendet ihm die Arztpraxis einen QR-Code auf sein Smartphone. Möchte der Patient das Rezept einlösen, scannt die Apotheke einfach den QR-Code und kann daraufhin das vom Arzt verordnete Arzneimittel an den Patienten abgeben beziehungsweise ausliefern. Übertragungsfehler klassischer Rezepte wie unleserliche Handschriften oder fehlerhafter Druck werden so vermieden.

Damit das E-Rezept bundesweit verfügbar sein kann, müssen Patienten, Ärzte, Apotheken und Krankenkassen über eine gemeinsame technische Schnittstelle verfügen. Diese Lösung wird aktuell im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) entwickelt.

Online-Kompass der BARMER

Das Krankengeld auf einen Blick

Wer als Arbeitnehmer länger als sechs Wochen krankgeschrieben ist, erhält Krankengeld von seiner Krankenkasse. Um es dem Betroffenen leichter zu machen, alle damit verbundenen Verwaltungsvorgänge bis hin zur Auszahlung des Geldes auf das eigene Konto nachzuvollziehen, hat die BARMER eine Online-Lösung entwickelt: Der external linkBARMER Kompass bietet als Teil der BARMER-App einen Überblick, wie weit die Bearbeitung der vom Versicherten eingereichten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorangeschritten ist, und er gibt auf einen Blick Auskunft über bereits gezahltes Krankengeld. Obendrein fasst er Wissenswertes zum Thema Krankschreibung zusammen und gibt Empfehlungen zu weiteren digitalen Angeboten der Krankenkasse.

„Wer krank ist, soll sich auf seine Genesung konzentrieren können. Er soll sich nicht Gedanken um sein Krankengeld machen müssen“, sagt Birgitt Vieweger, die als gewählte Versichertenvertreterin im Verwaltungsrat, dem Sozialparlament der BARMER, sitzt. Der Online-Check sei ein Novum in der gesetzlichen Krankenversicherung. „Der Kompass schafft Transparenz für Versicherte, die wegen einer langwierigen Erkrankung Krankengeld von der BARMER erhalten. Allein im vergangenen Jahr waren das in unserer Krankenkasse rund 347.000 Versicherte.“

Der BARMER Kompass ist das jüngste Beispiel dafür, wie die Krankenkasse die Möglichkeiten der Digitalisierung zum Vorteil der Versicherten ausschöpft. „Bereits seit Längerem besteht bei uns die Möglichkeit, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen hochzuladen“, berichtet Vieweger, die in der ehrenamtlichen Selbstverwaltung der BARMER im Ausschuss für Digitalisierung und IT den stellvertretenden Vorsitz führt. Weitere Schritte würden folgen.

So werde es in Zukunft auch möglich sein, Anträge auf Mutterschaftsgeld oder für Hilfsmittel wie Rollstühle oder Hörgeräte mit dem BARMER Kompass digital zu verfolgen. „Bei Online-Bestellungen ist es längst Standard, dass der Kunde nachverfolgen kann, wo sich sein Paket gerade befindet. Diesen Service bieten wir unseren Versicherten jetzt als erste gesetzliche Krankenkasse ebenfalls“, sagt Vieweger.

neolexon App für Kinder mit Artikulationsstörungen

Immer mehr Eltern gehen mit ihren Sprösslingen zum Logopäden. Jedes achte Kind in Deutschland benötigt im Alter von sechs Jahren eine Sprachtherapie. Damit Kinder ihre Sprachfehler schnell korrigieren und das richtige Sprechen lernen, ist das zusätzliche Üben zu Hause unumgänglich. Die TK bietet ihren Versicherten dafür eine digitale Hilfe auf Tablet oder Smartphone an: die external linkneolexon Artikulations-App des Start-ups Neolexon, die drei- bis siebenjährige Kindern dabei unterstützt, ihre Sprechfehler loszuwerden.

Bei der neolexon Artikulations-App erleben die Kinder mit dem gleichnamigen Helden des Lernspiels verschiedene Abenteuer, die sie spielerisch an korrekte Lautbildung und Aussprache heranführen. Logopäden können für jedes Kind individuelle Lernmodule zusammenstellen und die Übungen, Spiele und Geschichten passgenau modulieren. Die Kinder haben mehr Spaß am Üben als bei einer klassischen Therapie, und sie lernen schneller. So profitieren sie gleich mehrfach von dem neuen Angebot.

„Natürlich kann die App den Logopäden nicht ersetzen, doch sie kann die Therapie wirkungsvoll ergänzen und nachhaltiger machen“, sagt TK-Selbstverwalterin Petra Rahmann. 

Auch das Sozialparlament der TK, der Verwaltungsrat, trägt entscheidend dazu bei, dass die TK ihren Versicherten innovative Angebote machen kann. So stimmten die Ehrenamtlichen für die Kostenübernahme für digitale Versorgungsprodukte (Hilfsmittel) als zusätzliche Leistung. „Uns Selbstverwaltern liegt eine gute Versorgung der Versicherten am Herzen, und dazu gehört auch, Innovationen voranzutreiben“, so Petra Rahmann, Selbstverwalterin der TK.

Pflegeantrag stellen in nur acht Minuten

BARMER-Versicherte können seit August 2019 über eine komfortable und selbsterklärende Anwendung einen Pflegeantrag online stellen. Hierzu seien im Durchschnitt nur acht Minuten erforderlich. „Der Verwaltungsrat der BARMER treibt die Digitalisierung voran, in deren Fokus immer der Nutzen für die Menschen und der Datenschutz steht. Mit dem neuen Online-Pflegeantrag hat die BARMER eine kundenfreundliche Anwendung entwickelt. Sie erleichtert das Ausfüllen und entlastet von unnötiger Bürokratie“, so Ronald Krüger, im BARMER-Verwaltungsrat als Vorsitzender des Ausschusses für Digitalisierung und Informationstechnologie tätig. Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen ermögliche auch eine effizientere und schnellere Bearbeitung der Versichertenanliegen.

In dem neuen Online-Pflegeantrag stecken anderthalb Jahre Entwicklungsarbeit, in die speziell die Wünsche der BARMER-Versicherten durch umfangreiche Tests eingeflossen sind. Ähnlich wie bei Programmen zur elektronischen Steuererklärung wird der Antragsteller in wenigen Schritten durch die einzelnen Kapitel geführt. Dort werden alle für den Pflegeantrag erforderlichen Informationen abgefragt. Umfangreiche Vorkenntnisse sind nicht nötig, der Antrag ist selbsterklärend. Auf Tastendruck öffnet sich zu jeder Frage der Ausfüll-Assistent mit Hintergrundinformationen. Einzelne Bilder veranschaulichen die Auswahloptionen, und ein Erklärvideo gibt einen Überblick zu den Pflegeleistungen.

Jährlich gehen bei der BARMER rund 160.000 Pflegeanträge ein. Die neue Online-Anwendung bietet den Versicherten eine Alternative zum Ausfüllen des siebenseitigen Papier- oder PDF-Formulars. Da der Online-Pflegeantrag ausschließlich nach Anmeldung im passwortgeschützten Mitgliederbereich aufgerufen werden könne, könne der Antrag direkt ohne Unterschrift datenschutzsicher an die BARMER übermittelt und umgehend bearbeitet werden, erklärt Krüger. „Im Fokus aller Innovationsabsichten muss der Nutzen für die Versicherten stehen. Wir spüren konsequent digitale Trends auf und setzen sie um, wenn sie einen tatsächlichen Mehrwert bieten, denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck.“

Kopfschmerz-Coach: Schmerzlinderung ohne Medikamente

Jeder dritte Deutsche leidet mindestens einmal im Monat an Kopfschmerzen. Das geht aus einer Forsa-Umfrage für die DAK-Gesundheit hervor. Zwölf Prozent verspüren den Schmerz mindestens einmal in der Woche, neun Prozent mehrmals im Monat und 13 Prozent zumindest einmal im Monat. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Ein Viertel der Befragten gab an, dass die Schmerzen ihr Leben stark bis sehr stark beeinträchtigen.

Während die Generation 60+ vor allem auf natürliche Gegenmaßnahmen wie Entspannungsübungen oder einen Spaziergang an der frischen Luft setzt, therapieren sich jüngere Befragte bisher hauptsächlich mit Schmerzmitteln. Genau hier setzt die DAK-Gesundheit an: „Unser neuer digitaler external linkKopfschmerz-Coach  trainiert den Körper, Kopfschmerzen ohne Medikamente selbst zu lindern. Er beruht auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und wirkt schnell und umfassend“, sagt Dieter Schröder, Vorsitzender des Verwaltungsrates der DAK-Gesundheit. Das Selbsthilfeangebot kann online und als App genutzt werden.

Der DAK Kopfschmerz-Coach ist ein Online-Programm, das Patienten mit Spannungskopfschmerzen und Migräne unterstützt. Der digitale Coach geht in den Dialog mit dem Patienten und erstellt mit ihm zusammen einen individuellen Trainingsplan. Ziel dabei ist, das eigene Schmerz-Management-System zu optimieren und so dem Körper beizubringen, weniger Schmerzen zu erleben. Den Versicherten entstehen durch das Programm keine Kosten, wie der Verwaltungsrat, das Sozialparlament der DAK-Gesundheit, entschied.

Technisch passt sich der Kopfschmerz-Coach unterschiedlichen Altersgruppen und Bedürfnissen an. Er kann deshalb sowohl von Erwachsenen als auch von Jugendlichen ab zwölf Jahren genutzt werden. So kann dem Kopfschmerz in seinen verschiedenen Erscheinungsformen bereits frühzeitig begegnet werden.

Die Gründe für Kopfschmerzen sind so vielfältig wie ihre Ausprägungen. Laut der DAK-Studie ist für fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) Stress der Auslöser. Vor allem Jüngere sind hier besonders betroffen. 40 beziehungsweise 39 Prozent nannten Wetterumschwünge und Flüssigkeitsmangel als Auslöser, 38 Prozent zu wenig Schlaf. Auch hier sind Menschen unter 45 Jahren besonders stark vertreten. Erstmals nannte jeder Fünfte darüber hinaus Smartphone- und Computernutzung als Ursache für Kopfweh, unter den 14- bis 29-Jährigen sogar fast jeder Dritte (29 Prozent). Bei etwa jedem Achten war laut eigener Aussage schlicht ein Kater als Folge von zu viel Alkohol der Grund für den Brummschädel.

Insgesamt blieb die Häufigkeit von Kopfschmerzen in den vergangenen sechs Jahren auf konstantem Niveau. Das zeigt ein Vergleich von DAK-Studien aus den Jahren 2013 und 2019. Auch damals litt jeder Dritte mindestens einmal im Monat an dem Hämmern im Kopf.