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Digitalisierungsprojekte der Ersatzkassen

Die Digitalisierung eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der Gesundheitsversorgung. Die Entscheidung darüber, welche Angebote die Ersatzkassen ihren Versicherten unterbreiten, liegt bei der Sozialen Selbstverwaltung. Wir stellen an dieser Stelle ausgewählte Projekte vor.

1. neolino - App für Kinder mit Artikulationsstörungen

Immer mehr Eltern gehen mit ihren Sprösslingen zum Logopäden. Jedes achte Kind in Deutschland benötigt im Alter von sechs Jahren eine Sprachtherapie. Damit Kinder ihre Sprachfehler schnell korrigieren und das richtige Sprechen lernen, ist das zusätzliche Üben zu Hause unumgänglich. Die TK bietet ihren Versicherten dafür eine digitale Hilfe auf Tablet oder Smartphone an: die App "external linkNeolino" des Start-ups Neolexon, die drei- bis siebenjährige Kindern dabei unterstützt, ihre Sprechfehler loszuwerden.

Bei Neolino erleben die Kinder mit dem gleichnamigen Helden des Lernspiels verschiedene Abenteuer, die sie spielerisch an korrekte Lautbildung und Aussprache heranführen. Logopäden können für jedes Kind individuelle Lernmodule zusammenstellen und die Übungen, Spiele und Geschichten passgenau modulieren. Die Kinder haben mehr Spaß am Üben als bei einer klassischen Therapie, und sie lernen schneller. So profitieren sie gleich mehrfach von dem neuen Angebot.

„Natürlich kann die App den Logopäden nicht ersetzen, doch sie kann die Therapie wirkungsvoll ergänzen und nachhaltiger machen“, sagt TK-Selbstverwalterin Petra Rahmann. 

Auch das Sozialparlament der TK, der Verwaltungsrat, trägt entscheidend dazu bei, dass die TK ihren Versicherten innovative Angebote machen kann. So stimmten die Ehrenamtlichen für die Kostenübernahme für digitale Versorgungsprodukte (Hilfsmittel) als zusätzliche Leistung. „Uns Selbstverwaltern liegt eine gute Versorgung der Versicherten am Herzen, und dazu gehört auch, Innovationen voranzutreiben“, so Petra Rahmann, Selbstverwalterin der TK.

2. Pflegeantrag stellen in nur acht Minuten

BARMER-Versicherte können seit August 2019 über eine komfortable und selbsterklärende Anwendung einen Pflegeantrag online stellen. Hierzu seien im Durchschnitt nur acht Minuten erforderlich. „Der Verwaltungsrat der BARMER treibt die Digitalisierung voran, in deren Fokus immer der Nutzen für die Menschen und der Datenschutz steht. Mit dem neuen Online-Pflegeantrag hat die BARMER eine kundenfreundliche Anwendung entwickelt. Sie erleichtert das Ausfüllen und entlastet von unnötiger Bürokratie“, so Ronald Krüger, im BARMER-Verwaltungsrat als Vorsitzender des Ausschusses für Digitalisierung und Informationstechnologie tätig. Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen ermögliche auch eine effizientere und schnellere Bearbeitung der Versichertenanliegen.

In dem neuen Online-Pflegeantrag stecken anderthalb Jahre Entwicklungsarbeit, in die speziell die Wünsche der BARMER-Versicherten durch umfangreiche Tests eingeflossen sind. Ähnlich wie bei Programmen zur elektronischen Steuererklärung wird der Antragsteller in wenigen Schritten durch die einzelnen Kapitel geführt. Dort werden alle für den Pflegeantrag erforderlichen Informationen abgefragt. Umfangreiche Vorkenntnisse sind nicht nötig, der Antrag ist selbsterklärend. Auf Tastendruck öffnet sich zu jeder Frage der Ausfüll-Assistent mit Hintergrundinformationen. Einzelne Bilder veranschaulichen die Auswahloptionen, und ein Erklärvideo gibt einen Überblick zu den Pflegeleistungen.

Jährlich gehen bei der BARMER rund 160.000 Pflegeanträge ein. Die neue Online-Anwendung bietet den Versicherten eine Alternative zum Ausfüllen des siebenseitigen Papier- oder PDF-Formulars. Da der Online-Pflegeantrag ausschließlich nach Anmeldung im passwortgeschützten Mitgliederbereich aufgerufen werden könne, könne der Antrag direkt ohne Unterschrift datenschutzsicher an die BARMER übermittelt und umgehend bearbeitet werden, erklärt Krüger. „Im Fokus aller Innovationsabsichten muss der Nutzen für die Versicherten stehen. Wir spüren konsequent digitale Trends auf und setzen sie um, wenn sie einen tatsächlichen Mehrwert bieten, denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck.“

3. Kopfschmerz-Coach: Schmerzlinderung ohne Medikamente

Jeder dritte Deutsche leidet mindestens einmal im Monat an Kopfschmerzen. Das geht aus einer Forsa-Umfrage für die DAK-Gesundheit hervor. Zwölf Prozent verspüren den Schmerz mindestens einmal in der Woche, neun Prozent mehrmals im Monat und 13 Prozent zumindest einmal im Monat. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Ein Viertel der Befragten gab an, dass die Schmerzen ihr Leben stark bis sehr stark beeinträchtigen.

Während die Generation 60+ vor allem auf natürliche Gegenmaßnahmen wie Entspannungsübungen oder einen Spaziergang an der frischen Luft setzt, therapieren sich jüngere Befragte bisher hauptsächlich mit Schmerzmitteln. Genau hier setzt die DAK-Gesundheit an: „Unser neuer digitaler external linkKopfschmerz-Coach  trainiert den Körper, Kopfschmerzen ohne Medikamente selbst zu lindern. Er beruht auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und wirkt schnell und umfassend“, sagt Dieter Schröder, Vorsitzender des Verwaltungsrates der DAK-Gesundheit. Das Selbsthilfeangebot kann online und als App genutzt werden.

Der DAK Kopfschmerz-Coach ist ein Online-Programm, das Patienten mit Spannungskopfschmerzen und Migräne unterstützt. Der digitale Coach geht in den Dialog mit dem Patienten und erstellt mit ihm zusammen einen individuellen Trainingsplan. Ziel dabei ist, das eigene Schmerz-Management-System zu optimieren und so dem Körper beizubringen, weniger Schmerzen zu erleben. Den Versicherten entstehen durch das Programm keine Kosten, wie der Verwaltungsrat, das Sozialparlament der DAK-Gesundheit, entschied.

Technisch passt sich der Kopfschmerz-Coach unterschiedlichen Altersgruppen und Bedürfnissen an. Er kann deshalb sowohl von Erwachsenen als auch von Jugendlichen ab zwölf Jahren genutzt werden. So kann dem Kopfschmerz in seinen verschiedenen Erscheinungsformen bereits frühzeitig begegnet werden.

Die Gründe für Kopfschmerzen sind so vielfältig wie ihre Ausprägungen. Laut der DAK-Studie ist für fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) Stress der Auslöser. Vor allem Jüngere sind hier besonders betroffen. 40 beziehungsweise 39 Prozent nannten Wetterumschwünge und Flüssigkeitsmangel als Auslöser, 38 Prozent zu wenig Schlaf. Auch hier sind Menschen unter 45 Jahren besonders stark vertreten. Erstmals nannte jeder Fünfte darüber hinaus Smartphone- und Computernutzung als Ursache für Kopfweh, unter den 14- bis 29-Jährigen sogar fast jeder Dritte (29 Prozent). Bei etwa jedem Achten war laut eigener Aussage schlicht ein Kater als Folge von zu viel Alkohol der Grund für den Brummschädel.

Insgesamt blieb die Häufigkeit von Kopfschmerzen in den vergangenen sechs Jahren auf konstantem Niveau. Das zeigt ein Vergleich von DAK-Studien aus den Jahren 2013 und 2019. Auch damals litt jeder Dritte mindestens einmal im Monat an dem Hämmern im Kopf.