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Woran wir arbeiten
Digitalisierung im Gesundheitswesen

Bild: Pixabay

Beste Gesundheitsvorsorge mit Nullen und Einsen

Die Digitalisierung wirbelt unser gesamtes Leben durcheinander. Sie revolutioniert die Art, wie wir arbeiten. Wie wir unsere Freizeit verbringen. Wie wir miteinander kommunizieren. Wie (und worüber) wir uns informieren. Der Familienalltag, der Job, unser Umgang mit Behörden und Institutionen: Kaum ein Bereich bleibt unberührt. Schon gar nicht ein so elementar wichtiges Feld wie die Sorge für unsere Gesundheit. So vieles ist plötzlich so viel einfacher – oder könnte es zumindest sein:

  • Ein Besuch beim Hausarzt? Online-Terminbuchungen sind in vielen Praxen längst selbst­verständlich.

  • Mehrseitige Anamnesebögen, die bei jedem neuen Arzt auszufüllen sind, ehe er auch nur einen Blick auf die Patientin oder den Patienten wirft? Schon bald könnten zwei oder drei spezifische Angaben genügen. All die sich wiederholenden Fragen nach einstigen Kinder­krankheiten und Impfungen, nach Allergien oder einem eventuellen Herzschrittmacher könnten entfallen, sobald sie per elektronischer Gesundheitskarte abrufbar sind.

  • Doppeluntersuchungen? Wer eine zweite Meinung einholen will, ehe er sich einer vielleicht vermeidbaren Knieoperation unterzieht, wird das auch weiterhin tun können. Ein zweites Mal Röntgen aber muss nicht sein, wenn die Bilder ohnehin in einer elektronischen Patientenakte bereitliegen.

  • Der Weg zum Facharzt in der nächsten Großstadt ist weit, vielleicht sogar zu weit? Videosprechstunden könnten helfen. Blutdruck oder Blutzucker könnte man auch zu Hause messen und die Daten per Internet übermitteln. Gerade für Menschen, die nicht mehr so mobil sind, und für die Versicherten im ländlichen Raum wären die Erleichterungen durch
    die Telemedizin enorm.

  • Pollenalarm? An der Belastung für Heuschnupfenpatienten wird sich wohl so schnell nichts ändern. Aber alle Informationen darüber, welcher Baum und Busch gerade blüht, bietet das Smartphone schon jetzt. Zwei-, dreimal Wischen über den Bildschirm genügt, wenn man die passende App seiner Krankenkasse heruntergeladen hat. Und die Verschreibung für die nötigen Tropfen kann der Arzt möglicherweise schon bald als e-Rezept verschicken.

Doch „Digitaltherapien“ schlagen nicht bei jedem in gleicher Weise an. Sie haben ihre Neben­wirkungen. Viele Ältere tun sich mit der Digitalisierung nicht so leicht wie die Jüngeren. Neue Programme, Bedienfelder und Apps wirken auf sie eher bedrohlich als verheißungsvoll. Sie bauen Stress auf, statt Stress zu reduzieren.

Und nicht jeder Patient weiß auf Anhieb, ob der negative Befund nach einer Krebsvorsorgeuntersuchung nun eine gute oder eine schlechte Nachricht ist. Gewiss, er kann seine Internet-Suchmaschine konsultieren, um Hintergrundinformationen zu bekommen. Was aber, wenn er auf eine Seite mit unvollständigen, unzuverlässigen oder interessengeleiteten Gesundheitsinformationen gerät?

Und nicht zuletzt: Der Schutz unserer Daten. Wer garantiert, dass jeder Arzt, jeder Apotheker, jeder Physiotherapeut alle Angaben erhält, die er braucht in seiner Arbeit für unser Wohl – aber auch wirklich nur diese? Und wer schützt uns vor uns selbst, vor unserem Leichtsinn im Umgang mit sehr persönlichen Informationen?

„Mit der Digitalisierung verbinden sich viele Hoffnungen und fast ebenso viele Befürchtungen“, sagt Uwe Klemens, ehrenamtlicher Verbandsvorsitzender des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek). „Als Selbstverwalter wollen wir einen Beitrag zur Orientierung und zur sachlichen Auseinander­setzung mit dem Thema leisten. Wir verstehen uns als Fürsprecher und Vertreter der Versicherten und Beitragszahler, die uns in die Sozialparlamente gewählt haben. Für ihre Interessen setzen wir uns ein.“

Ganz entscheidend ist aus der Sicht von Klemens die Frage der Datenhoheit. „Allein der Versicherte muss entscheiden dürfen, welche Informationen über ihn gespeichert werden und wer wann auf sie Zugriff hat. Gesundheit und Krankheit sind sehr persönliche Dinge. Das sollen sie auch bleiben“, sagt der Selbstverwalter.

Viele Rahmenbedingungen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen stecken der Gesetz­geber und die Bundesregierung ab. Grundsatzentscheidungen in Sachen Telematikinfrastruktur (TI) und eGK trifft der Gesetzgeber, also der Bundestag. Die konkrete Ausgestaltung dieser Regeln aber liegt bei der gematik, somit auch unter anderem bei den Krankenkassen – und damit bei der Sozialen Selbstverwaltung, also bei den gewählten Vertretern von Versicherten und Arbeitgebern in den einzelnen Sozialparlamenten.

„Wir stehen in ständiger Tuchfühlung mit den Versicherten“, sagt Klemens. „Wir legen die Prioritäten in den Krankenkassen fest, wir schlagen Alarm, wenn etwas schief läuft, und wir fordern Rechenschaft ein. Und wir achten darauf, dass es bei allen Veränderungen effizient zugeht.“ Die Digitalisierung werde natürlich Geld kosten – es seien schließlich bedeutende Investitionen nötig. „Unser Auftrag und unser Ziel aber ist es, dass wir jeden Euro aus den Beiträgen noch besser nutzen – zum Wohle jedes einzelnen Versicherten. Dafür stehen wir ein.“

 

Fragen Sie unsere Selbstverwalter zum Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen: