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Organspende: Entscheiden Sie sich!

Von Bernd Heinemann*

Organspende ist und bleibt Vertrauenssache. Ich brauche die Sicherheit, dass die Ärzte im Fall der Fälle alles Menschenmögliche tun werden, um mich am Leben zu erhalten. Ich will mich nicht der Furcht aussetzen, jemand könnte mich vor der Zeit für tot erklären, weil ein anderer Mensch auf meine Niere oder meine Leber wartet. Ich muss überzeugt davon sein, dass niemand versuchen wird, mit meinen Organen oder den Organen eines anderen ein Geschäft zu machen. Nur wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, kann ich mit ruhigem Gewissen sagen: Ja, ich bin bereit, eines hoffentlich noch fernen Tages meinen Körper zur Verfügung zu stellen, damit ein anderer Mensch weiterleben kann, wenn mein Leben vorbei ist.

Ich kann verstehen, dass nicht jeder von uns dieses Vertrauen aufbringt. Ich respektiere jeden Menschen, der mir sagt – aus welchen Gründen auch immer: Ich kann das nicht, und ich will das nicht. Wir gehören allein uns selbst. Deshalb hat niemand das Recht, über unseren Körper zu verfügen. Auch nicht die Regierung oder der Bundestag und schon gar nicht wir als Krankenkasse. Wir stehen in der Pflicht, jeder auf seinem Feld alles zu tun, damit die sichere Organspende möglich ist. Die Entscheidung bleibt jedem einzelnen vorbehalten.

Einen Anspruch aber haben meine Mitmenschen an mich, habe ich an meine Mitmenschen: Wenn der von uns allen gefürchtete Moment kommt, soll Klarheit herrschen, wer Organspender ist und wer nicht. Wenn ein Verwandter von mir stirbt, möchte ich nicht von den Ärzten gefragt werden müssen: Was denken Sie – wäre Ihr Angehöriger zu einer Spende bereit gewesen? Wenn ich selbst sterbe, sollen auch meine eigenen Familienmitglieder und die Ärzte wissen, woran sie sind. Lehne ich eine Organspende ab, soll niemand sich Hoffnungen machen, die dann nicht erfüllt werden. Stehe ich als Spender zur Verfügung, soll nicht unnötig Zeit verstreichen – Zeit, die dem Empfänger meiner Spende möglicherweise am Ende fehlt.

Umfragen haben ergeben, dass 84 Prozent der Bevölkerung eine Organspende grundsätzlich für eine gute Sache halten. Nur 36 Prozent aber haben einen Organspendeausweis, in dem dokumentiert ist, ob und gegebenenfalls unter welchen Bedingungen sie als Spender zur Verfügung stehen. Das gibt mir zu denken. Keiner von uns weiß, ob er nicht selbst einmal in eine Situation geraten wird, in der eine Organspende für ihn zur Lebensrettung werden könnte.

Für mich selbst habe ich die Entscheidung schon vor acht Jahren getroffen: Ja, ich werde irgendwann als Organspender zur Verfügung stehen. In meinem Spenderausweis, den ich stets bei mir trage, habe ich eine Reihe von Anmerkungen gemacht, womit ich einverstanden bin und womit nicht. Anderen eine Empfehlung zu geben, maße ich mir nicht an. Es steht mir nicht zu.

Um eines aber bitte ich Sie trotzdem: Schieben Sie das Thema nicht von sich weg. Entscheiden Sie sich, und dokumentieren Sie Ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis. Es ist wichtig für Sie und möglicherweise überlebenswichtig für andere.

* Bernd Heinemann ist ehrenamtlicher Vorsitzender des BARMER-Verwaltungsrates.