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Neues Diagnostik-Verfahren bei Sepsis

11.09.2020

Sepsis, umgangssprachlich als Blutvergiftung bezeichnet, betrifft jedes Jahr hunderttausende Menschen in Deutschland. Eine Untersuchung verzeichnet allein 2015 rund 320.000 Betroffenen Deutschland, von denen über 75.000 Menschen starben. "Mit Hochtechnologie für neue schnellere Analysen wollen die Universitätsmedizin Mainz, das Software-Unternehmen Noscendo und die Techniker Krankenkasse (TK) dafür sorgen, dass eine Therapie bei Betroffenen schneller und zielgerichteter beginnen kann", erläutert Gerard Wolny, ehrenamtlicher Versichertenvertreter im Verwaltungsrat der TK, anlässlich des Welt-Sepsis-Tages, der alljährlich am 13. September stattfindet.

Bisheriges Verfahren sehr langwierig

Der Schutz gegen Infektionen hat eine sehr hohe Priorität, insbesondere eine Sepsis führt in deutschen Kliniken zu vielen Todesfällen. Eine zentrale Frage ist deshalb, wie Ärzte den auslösenden Erreger dieser komplexen Entzündungsreaktion rechtzeitig erkennen und behandeln können. Davon hängt maßgeblich ab, welche Chancen der Patient auf Genesung hat. Bislang beruht die Diagnostik auf Blutkulturverfahren, doch die brauchen Zeit: Bis zu zwei Tage kann es dauern, bis die Untersuchungsergebnisse vorliegen. Außerdem kann mit diesem Verfahren jeweils nur nach einer begrenzten Zahl von Erregern gesucht werden, weil dem Patienten ansonsten eine viel zu große Menge Blut abgenommen werden müsste.

Zeitgewinn kann Leben retten

Das Software-Unternehmen external linkNoscendo hat gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz einen Algorithmus entwickelt, der auf der Untersuchung des Erbgutes von Keimen beruht. Die Ergebnisse werden anschließend auf einer digitalen Plattform mit anderen Daten abgeglichen. So können mit einer einzigen Blutprobe innerhalb von 24 Stunden mehr als 1.000 verschiedene Erreger erkannt werden. Dieser Zeitgewinn kann vielen Menschen das Leben retten. Deshalb hat die TK einen Vertrag mit Noscendo geschlossen, um ihren Versicherten bei einer Sepsis die Chance auf eine frühzeitige, gezielte Behandlung bieten. "Es ist wichtig, dass wir Krankenkassen uns für die vielen Betroffenen engagieren", erläutert Wolny. Außerdem bietet das neue Verfahren die Möglichkeit für eine gezieltere Behandlung von Herzinnenhautentzündungen und Bauchfellentzündungen.

Digitalisierung verbessert Medizin und Alltag von Patienten

Das Verfahren ist ein Beispiel, wie sich die Präzisionsmedizin dank neuer Technologien verbessert. "Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bringt aber viele weitere Chancen, das gilt auch für die Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen", erläutert Wolny. Beispiele seien etwa das elektronische Rezept und die elektronische Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung, die vielen Versicherten das Leben leichter machten. Ein weiteres Beispiel sei die elektronischen Patientenakte, in der zukünftig alle Gesundheitsdaten der Patienten gebündelt werden und die Versicherten zu jeder Zeit und von überall über ihr Smartphone Zugriff auf ihre Impfdaten, Medikamentenübersicht oder Dokumenten von ihren Ärzten ermöglicht. Wolny erklärt: "Im Verwaltungsrat unserer Kasse haben wir deshalb das gesamte Spektrum im Blick, den Alltag unserer Versicherten ebenso wie die neueste Hightech-Medizin."