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Antibiotika mögliche Ursache für Kreidezähne?

24.09.2021

Kinder, die in den ersten vier Lebensjahren bestimmte Antibiotika erhalten, entwickeln häufiger sogenannte Kreidezähne. In Deutschland leiden mindestens 450.000 Kinder an diesen gelblich oder bräunlich verfärbten, porösen und beim Putzen schmerzenden Zähnen. Darauf hat die Selbstverwaltung der BARMER Ersatzkasse anlässlich des alljährlichen Tages der Zahngesundheit hingewiesen. „Antibiotika sind zur Bekämpfung vieler Krankheiten eine wichtige Therapieform“, sagt Siegbert Bleimbrunner, Mitglied des Verwaltungsrates der BARMER. „Doch wie fast jedes Medikament können sie Nebenwirkungen entfalten. Auch mit Rücksicht auf das sich herausbildende Gebiss von Kindern kann die Prämisse deshalb nur lauten: So viel Antibiotika wie nötig – und so wenig wie möglich.“

Von Kreidezähnen, die im medizinischen Sprachgebrauch als Molaren-Inzisive Hypomineralisation (MIH) bezeichnet werden, sind Mädchen häufiger betroffen als Jungen, wie der aktuelle Zahnreport der BARMER ausweist. Zwischen 2012 und 2019 hatten nach diesen Angaben 9,1 Prozent der Mädchen und 7,6 Prozent der Jungen zwischen sechs und zwölf Jahren eine so schwere Form von Kreidezähnen, dass sie zahnärztliche Behandlung in Anspruch nehmen mussten.

Über die Ursachen, warum sich Kreidezähne bilden, ist noch zu wenig bekannt. „Unsere Experten erklären uns, dass die Ernährung wahrscheinlich keinen Einfluss hat. Nicht einmal regelmäßiges Zähneputzen kann Kreidezähne verhindern, da die Zähne bereits geschädigt sind, wenn sie durchbrechen“, berichtet Bleimbrunner. „Für die Eltern ist das eine wichtige Botschaft: Sie müssen sich selbst und ihren Kindern keine Vorwürfe machen.“

Der Zahnreport der BARMER legt dagegen nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen der Vergabe von Medikamenten und der Bildung von Kreidezähnen geben könnte. Kinder, die wegen Atem- oder Harnwegsinfekten in den ersten vier Lebensjahren besonders häufig Antibiotika verschrieben bekamen, entwickelten auch deutlich häufiger Kreidezähne. „Ich hoffe, dass weitere Untersuchungen schnell Klarheit bringen können“, sagt dazu der Selbstverwalter Bleimbrunner.

Ärzte und auch wissenschaftliche Autoritäten wie das Robert Koch Institut mahnten generell seit langem, Antibiotika sehr behutsam einzusetzen. „Als Versichertenvertreter finde ich, es ist eine positive Nachricht, dass sich seit 2005 die Vergabe von Antibiotika an Kinder bis fünf Jahren mehr als halbiert hat“, erklärt Bleimbrunner. „Sollte sich die Hypothese bestätigen, dass auch Kreidezähne und Antibiotika miteinander zu tun haben, gibt es noch einen Grund mehr zu sagen: Antibiotika sollten nur dort eingesetzt werden, wo sie wirklich zwingend notwendig sind.“