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Eine Entscheidung, die Leben retten kann

03.06.2022

Mehr als 8.400 Menschen warten in Deutschland laut Eurotransplant auf eine Organspende. Die meisten benötigen eine Nierentransplantation, andere eine gespendete Leber, ein gespendetes Herz oder ein anderes Organ. Für viele ist es die einzige Überlebenschance. Die Zahl von Spenderorgangen, die jährlich zur Verfügung stehen, kann die Nachfrage bei weitem nicht decken. Menschen sterben, weil nicht rechtzeitig ein Spenderorgan für sie zur Verfügung steht.

„Es ist eine sehr persönliche Entscheidung, ob man im Falle des eigenen Todes bereit ist, als Spender oder Spenderin zur Verfügung zu stehen“, erklärt anlässlich des diesjährigen Tages der Organspende Michael Knittel, Arbeitgebervertreter und stellvertretendes Mitglied im Sozialparlament der Techniker Krankenkasse (TK). „Niemand darf dazu verpflichtet werden, und das ist völlig richtig so.“ Trotzdem appelliert der Selbstverwalter an alle Versicherten, für sich selbst Klarheit zu schaffen und dies zu dokumentieren. „Ob Sie sich für oder gegen eine Organ- oder Gewebespende entscheiden: Halten Sie es fest. Vermerken Sie es in einem Organspendeausweis, und sprechen Sie auch mit Ihrer Familie darüber, damit im Ernstfall alle Bescheid wissen.“

In Deutschland gilt für die Organspende die Entscheidungslösung: Eine Organ- oder Gewebeentnahme ist nur dann möglich, wenn die verstorbene Person der Entnahme zu Lebzeiten zugestimmt hat. Alternativ können, sofern die Person selbst keine Entscheidung getroffen hat, stellvertretend die nächsten Angehörigen eine Zustimmung erteilen. Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der TK hat ergeben, dass 86 Prozent der Menschen in Deutschland einer Organspende grundsätzlich eher positiv gegenüberstehen. Einen ausgefüllten Organspendeausweis – in dem auch verbindlich festgelegt werden kann, dass man eine Spende ablehnt! – besitzen jedoch nur 41 Prozent.

Damit die Versicherten ihre Entscheidung, ob sie für eine Organspende zur Verfügung stehen wollen oder nicht, verantwortungsvoll treffen können, informieren neben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch die Krankenkassen über das sensible Thema. „In unserem Online-Bereich stellen wir, ebenso wie der Verband der Ersatzkassen, vielfältige Informationen zum Thema Organspende bereit, um eine für sich richtige Entscheidung treffen zu können.“

Knittel verweist zudem auf eine Neuerung im 2021 vom Bundestag abgeänderten Transplantationsgesetz: In Zukunft soll es ein Organspende-Onlineregister geben, in dem die persönliche Entscheidung zusätzlich dokumentiert werden kann. Dies soll für alle Versicherten freiwillig sein. Das Register soll beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eingerichtet werden. „Die Information, ob sich ein Mensch für oder gegen eine Organspende entschieden hat, wird dort im Notfall zweifelsfrei und sicher erhältlich sein und kann auch jederzeit wieder geändert werden“, erklärt Knittel.