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Michael Witte (KKH): „Auch während der Pandemie nicht auf Vorsorge verzichten!“

06.05.2021

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an einer Erkrankung des Herzens. Wie eine Datenauswertung der KKH Kaufmännische Krankenkasse zeigt, nahm die Zahl der Herzinfarkte zwischen 2009 und 2019 um knapp 80 Prozent zu. Die Zahl der Patienten mit Herzschwäche-Diagnose stieg binnen zehn Jahren um 61 Prozent, und 2019 wurden 27 Prozent mehr Verengungen der Herzkranzgefäße festgestellt als noch 2009. Insgesamt hat mittlerweile rund jeder zwölfte KKH-Versicherte schon einmal eine der genannten Erkrankungen durchgemacht. In der Generation 70 plus ist sogar knapp jeder Dritte betroffen. „Diese Zahlen sind für uns ein Alarmsignal, denn Herzkrankheiten sind nach wie vor die Todesursache Nummer eins in Deutschland“, erklärt dazu Michael Witte, ehrenamtlicher Versichertenvertreter im Verwaltungsrat, dem Sozialparlament der KKH.

Wie die Datenauswertung ebenfalls zeigt, haben seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor gut einem Jahr deutlich weniger Menschen mit Herzerkrankungen eine Behandlung bei ihrem Arzt in Anspruch genommen. „Ich kann zwar verstehen, dass viele Versicherte eine Ansteckung mit dem Virus fürchten, aber trotzdem ist es die falsche Entscheidung“, argumentiert Michael Witte. „Niemand wird gesünder dadurch, dass er einen eigentlich nötigen Besuch beim Arzt unterlässt und auf kardiologische Vorsorgeuntersuchungen verzichtet. Im Gegenteil, er verringert seine eigenen Chancen auf eine rechtzeitige Prävention und Behandlung.“

Den aktuellen Daten der KKH zufolge ist das Risiko von Männern, einen Herzinfarkt zu erleiden, etwa doppelt so hoch wie das Risiko von Frauen. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern verringert sich allerdings: 2019 erlitten fast doppelt so viele KKH-versicherte Frauen einen Herzinfarkt wie noch zehn Jahre zuvor. Bei den Männern waren es rund 65 Prozent mehr.

Ursache für Herzkrankheiten können neben Stress, Tabak- und Alkoholkonsum, erhöhten Blutfettwerten, mangelnder Bewegung, starkem Übergewicht sowie Bluthochdruck und Diabetes auch erbliche Faktoren sein. „Rechtzeitiges Handeln in akuten Fällen und eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung können aber maßgeblich dazu beitragen, Todesfälle zu verhindern“, sagt Michael Witte. Er empfiehlt dringend, auch in Corona-Zeiten bei Verdacht auf einen Herznotfall sofort den Notarzt zu rufen. „Ein Herzinfarkt ist keine aufschiebbare Krankheit, er muss sofort behandelt werden“, mahnt der Versichertenvertreter. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen rät er, auch während der Pandemie mit ihrem Arzt zu sprechen und eine individuelle Strategie zu entwickeln, um das persönliche Risiko zu minimieren.