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Immer mehr magersüchtige Männer

27.06.2022

Die Zahl der Menschen, die wegen Essstörungen behandelt werden, ist seit Beginn der Corona-Pandemie weiter gewachsen. Das zeigt eine Datenanalyse der KKH Kaufmännische Krankenkasse. Frauen machen mit mehr als 80 Prozent nach wie vor die große Mehrheit der Betroffenen aus, und es ist auch nicht nur ein Klischee, dass Anorexie und Bulimie vor allem Krankheiten von jungen Frauen sind. Doch es gibt auch einen vergleichsweise neuen Trend: In immer stärkerem Ausmaß haben auch Männer mit Essstörungen zu kämpfen.

Laut Analyse der KKH ist die Anzahl der 18- bis 24-jährigen Männer mit einer entsprechenden Diagnose allein im ersten Corona-Jahr 2020 um fast 19 Prozent gestiegen. Auch bei den 50- bis 59-jährigen Männern registriert die Krankenkasse ein Plus von zwölf Prozent innerhalb von nur einem Jahr. Ein solcher Anstieg geht weit über den statistischen Durchschnitt hinaus: In der Regel zeigen Jahresvergleiche eine Veränderung von drei oder vier Prozent. Die Pandemie, die häufig eine geregelte Tagesstruktur sowie soziale Kontakte wegbrechen ließ, hat offensichtlich wie ein Brennglas für bereits bestehende familiäre und berufliche Probleme gewirkt: Gerade für Patientinnen und Patienten, die bereits an einer Essstörung leiden, war und ist Corona eine harte Belastungsprobe.

„Vielen ist der Gedanke noch fremd, dass auch ältere Menschen und neben Frauen auch Männer an Magersucht erkranken können“, sagt Michael Witte, ehrenamtlicher Selbstverwalter im Verwaltungsrat, dem Sozialparlament der KKH. „Das birgt die Gefahr, dass die Krankheit zu spät erkannt wird – oder im schlimmsten Fall gar nicht. Frauen bekommen sogar Komplimente, wie sie es schaffen, trotz ihres Alters so schlank zu bleiben. Dabei ist es doch wichtig, die Anzeichen einer Essstörung wahrzunehmen und richtig auf sie zu reagieren. Ist ein Mensch erst einmal an Magersucht oder Bulimie erkrankt, hat er häufig das ganze Leben lang damit zu kämpfen.“

Bei Männern falle das veränderte Essverhalten oft nicht sofort auf, weil es häufig begleitet werde von exzessivem Sport, insbesondere von suchtartigem Krafttraining, berichtet der Selbstverwalter. „Die Ursachen für Essstörungen können ganz verschieden sein. Die erbliche Veranlagung spielt eine Rolle, aber auch Konflikte in der Familie oder Leistungsdruck am Arbeitsplatz können sich auswirken, ebenso der von den Medien und der Werbung suggerierte Gedanke, jede und jeder könne und müsse perfekt aussehen, also: schlank!“

Je später eine Essstörung festgestellt und behandelt wird, desto größer sei das Risiko, dass sie einen chronischen Verlauf nimmt, warnt Witte. „Als gewählter Versichertenvertreter kann ich daher nur empfehlen, bei Anzeichen für eine Essstörung unbedingt die Hilfe des Arztes zu suchen. Zur Prävention unterbreiten wir als Ersatzkassen zudem konkrete Beratungsangebote. Wenn unsere Versicherten seriösen Rat suchen, wie man sich gesund ernährt oder sein Gewicht reduzieren kann, ohne dem Körper damit Schaden zuzufügen, dann sind sie bei uns an der richtigen Stelle.“